romatik 4

gedichte von Kristiane Allert-Wybranietz


 

   	

Ich möchte dich spüren

Es ist deine Hand,

die ich halten möchte.

Dein Mund,

den ich berühren möchte.

Dein Körper,

den ich nah an meinem

fühlen möchte.

Doch stärker ist

unsere Seelenverwandtschaft,

die mich spüren läßt,

wie einsam du bist,

und die mir Lust macht,

dir gesellschaft zu leisten

in DIESER Einsamkeit.

 

 

 

Mut zum Leben

Vergliche man das Leben

mit den Vorgängen

beim Photographieren,

der im Dunkeln schmort.

Angst vor Belichtung?

Angst vor Farben,

Formen, Meinung

und Aussage?

   	

Sonst hätte ich es dir längst gesagt

Eine Liebe zu leben,

in der jeder Verbindungen hat,

die es nicht zu zerstören gilt,

erfordert zwei Menschen,

die reif und stark sind,

zu vertrauen

und

zu verzichten.

     
Deine Stärken liegen

sicher nicht auf dem Gebiet,

wo du seit langem

die meiste

Energie verbrauchst:

deine Schwächen zu verstecken.

 

Theoretisch

bist du bunt, flexibel,

weltoffen, informiert,

wähnst dich vielen überlegen.

Praktisch

bist du nichts

als Theorie.

 

Wenn mir auch schwindelt

während ich die Höhen

und Abgründe der Liebe passiere,

wenn ich auch weine, verliere

und es mich schier zerreißt,

so akzeptiere ich all das

noch lieber

als erstarrt

und fernab vom Leben

mich auf keine Liebe

mehr einlassen zu wollen.

   	
     
Selbstachtung

Ich habe lange geweint

heute - deinetwegen.

Dann sah ich

mich im Spiegel,

fühlte mich

und wußte:

SO WILL ICH

NIE WIEDER

DASTEHEN -

nicht einmal

deinetwegen.

	

Selten,

daß jemand

meine Tränen sieht.

Es gibt eine Traurigkeit,

einen Schmerz -

da will ich nicht teilen.

ALLEIN

daraus beziehe ich

meine Stärke.

 

 

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